Gluten Unverträglichkeit in der Ernährung

Warum sind wir heute empfindlicher gegenüber Gluten als früher?

Die zunehmende Berichterstattung in den Medien, die Ausweitung des glutenfreien Sortiments in den Geschäften, das Auftreten von glutenfreien Restaurants, Bäckereien oder Konditoreien: Es scheint, dass wir empfindlicher auf Gluten reagieren als in der Vergangenheit. Warum heute? Lassen Sie uns einen allgemeinen Blick auf die historischen, technologischen, medizinischen und medialen Gründe für diese Entwicklung werfen.

Gluten ist ein junges Protein in der Ernährung in Bezug auf die menschliche Geschichte

Der Verzehr von Gluten begann mit der Domestizierung von Getreide und den Anfängen der Landwirtschaft (erst) vor zehntausend Jahren. Eine Ewigkeit für uns, aber eine sehr kurze Zeit in der Geschichte der Menschheit. Während dieser ersten zehntausend Jahre, also 99 % der Geschichte, hat sich das menschliche Genom entsprechend der Nahrung und anderer Interaktionen mit der Umwelt entwickelt. Der Organismus ist zwar zur Anpassung fähig, aber das dauert unendlich viel länger als eine Generation.

Die Einführung von Gluten in die menschliche Ernährung scheint bei einigen Menschen auf eine unzureichende immunologische und/oder enzymatische Ausstattung zu treffen, um es zu verdauen.

Die Evolution der Weizensorten – bis zum Exzess?

Moderne Getreidearten haben in den letzten Jahrhunderten mit der Entwicklung der Landwirtschaft eine Vielzahl von genetischen Veränderungen erfahren. Natürlich hat der Mensch neben den natürlich vorkommenden Mutationen schon immer Sorten nach ihrem Ertrag und ihrer Resistenz ausgewählt.

Aber seit mehreren Jahrzehnten werden Veränderungen im Genom bestimmter Getreidearten, insbesondere Weizen und Mais, mit Hilfe gentechnischer Verfahren vorgenommen. Dabei handelt es sich nicht mehr um einfache Kreuzungen zwischen zwei Pflanzen. Es wurden neue Getreidesorten geboren, die nicht mehr denen ähneln, die wir vor zehntausend Jahren gegessen haben (der heutige Weizen hat 42 Chromosomen im Gegensatz zu den 14 des ursprünglichen Weizens).

Alte Getreidesorten wie Reis, Quinoa oder Buchweizen haben sich organisch dagegen wenig oder gar nicht genetisch weiterentwickelt. Sie entsprechen den verdauungstechnisch am besten verträglichen Getreidesorten. Diese gute Übersicht hilft bei den Kaufentscheidungen und der Vermeidung von gesundheitlichen Problemen.

Zunahme von zugesetztem Gluten in Lebensmitteln

Eine aktuelle Studie zeigt, dass die Menge an Gluten, die heute aufgenommen wird, in etwa die gleiche ist wie vor 50 Jahren. So essen wir trotz des stetigen Rückgangs des Brotkonsums (350 g vor 50 Jahren gegenüber 100 g heute) immer noch genauso viel Gluten, weil es als Zusatzstoff in vielen gängigen Produkten integriert ist:

  • in Brot und Gebäck, egal ob hausgemacht oder nicht, Gluten erhöht ihre Weichheit und verbessert ihre Konservierung
  • in verschiedenen Fertiggerichten (Soßen, Frikadellen etc.) dient Gluten als Bindemittel und Verdickungsmittel.

Ist dieses zugesetzte Gluten, das aus Weizen gewonnen wird, völlig identisch mit dem natürlich im Getreide vorhandenen Gluten? Dies ist eine Frage, die sich einige Forscher stellen. Eine mögliche Veränderung des Glutens während des Extraktionsprozesses würde die Abstoßungsreaktion bestimmter Organismen erklären.

Ein besseres wissenschaftliches Verständnis der Zöliakie

Die Zöliakie ist eine uralte Pathologie, die bereits im ersten Jahrhundert nach Christus in der griechischen Medizin beobachtet wurde. Doch erst 1950 wurde der Zusammenhang mit Gluten von einem niederländischen Arzt hergestellt. Es dauerte noch viele weitere Jahre, um ein besseres Verständnis der Glutenunverträglichkeit zu erlangen, das hartnäckige Etikett der “Kinderkrankheit” zu entfernen, die Mechanismen der Entstehung und die Risiken für den Patienten zu verstehen. Die ersten medizinischen Diagnosetests stammen aus den frühen 2000er Jahren.

Seit dem Fortschritt der wissenschaftlichen Erkenntnisse wird die Zöliakie in den Lehrplänen der Universitäten gelehrt und die Ärzte, vor allem die neu ausgebildeten, interessieren sich bei den Konsultationen mehr dafür. Auch im TCM Studium spielt Gluten eine Rolle.

Die Nicht-Zöliakie-Empfindlichkeit gegenüber Gluten wurde erst in jüngerer Zeit erkannt. Diese Pathologie ist noch sehr rätselhaft und es wird viel geforscht, um sie besser zu verstehen und zu erkennen.

Verstärkte Popularisierung

Gluten hat in den letzten zehn Jahren viel von sich reden gemacht. Die Öffentlichkeit ist bewusster und aufmerksamer, ihre Neugierde ist geweckt. Auch wenn einige Medien einen leicht fehlerhaften wissenschaftlichen Inhalt haben, sind die meisten Informationen, die sie liefern, mittlerweile zuverlässig.

Moderne Risikofaktoren für eine Immunschwäche

Verschiedene Elemente unseres heutigen Lebensstils können das Immunsystem schwächen, und das schon in den ersten Lebensmonaten.

Die Geburt per Kaiserschnitt ist ein erster Risikofaktor. Sie entzieht dem Baby die natürliche bakterielle Besiedlung durch die Vaginalflora der Mutter, eine ausgewogene Bakterienmischung, die das Immunsystem des Kindes aufbaut.

Ebenso verhindert verkürztes oder gar fehlendes Stillen die Ansiedlung bestimmter Bakterien der Mikrobiota wie der Bifidobakterien, die sehr gierig auf Muttermilch sind. Der Reichtum unserer Mikrobiota ist jedoch essentiell, um eine gute Verdauung und einen effektiven Schutz gegen Aggressoren zu gewährleisten.

Auch der häufige Einsatz von Antibiotika schädigt die Darmflora. Die Wirkung dieser Medikamente ist nicht spezifisch: Sie zerstören nicht nur die Bakterien, die uns krank machen, sondern auch diejenigen, die uns schützen.

Zusammenfassend scheint es, dass unsere wachsende Empfindlichkeit gegenüber Gluten das Ergebnis mehrerer Faktoren ist.

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